Am Jordan
Dann kam Jesus aus Galiläa an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Aber Johannes wollte ihn davon abhalten und sagte: „Ich muss mich von dir taufen lassen, und du kommst zu mir?“
Jesus entgegnete: „So sei es nun; es ist gut, dass wir das tun, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Da willigte Johannes ein.
Sobald Jesus getauft war, stieg er aus dem Wasser. In diesem Augenblick öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabkommen und sich auf ihn niederlassen.
Matthäus 3,13-16
Was kommt dir in den Sinn, wenn du dir den Jordan vorstellst? Das nördliche Gebiet um den Jordan ist tatsächlich üppig, fruchtbar und grün, ganz anders als die karge Wildnis weiter südlich. Aber der Jordan ist weit mehr als nur eine geografische Besonderheit. Er ist ein Ort, der tief in der Erlösungsgeschichte Gottes verwurzelt ist. Das ganze Alte Testament hindurch diente der Jordan als symbolische Grenze, als Übergang zu neuen Verheißungen. Für das Volk Israel markierte er den Übergang in das gelobte Land. Für Jesus war der Jordan die Pforte zu seinem öffentlichen Wirken. An diesem Fluss wurde Jesus nicht aufgerufen, Buße zu tun oder sich zur Vergebung seiner eigenen Sünden taufen zu lassen, sondern sich an unserer Stelle unter das vollkommene Gesetz Gottes zu stellen.
Stell dir die Szene vor: Menschenmassen hatten sich versammelt, die Johannes‘ Aufruf zur Umkehr hörten und ihm folgten. Während Johannes predigte, wies er die Herzen der Menschen auf Gott hin und bereitete sie auf die Begegnung mit dem Erlöser vor. Als Jesus sich näherte, war selbst Johannes überrascht. Hier war das perfekte, sündlose Lamm Gottes, das um die Taufe der Buße bat. Aber Jesus bestand darauf und sagte, sie sei notwendig, „um alle Gerechtigkeit zu erfüllen“. Mit seiner Taufe erklärte Jesus öffentlich, dass er sich der Ausführung von Gottes Plan zu unserer Erlösung verschrieben hatte. Als offizieller Beginn seines öffentlichen Dienstes war sein erster Schritt auf dem Weg zum Kreuz, sich mit uns zu identifizieren in unserer Stellung unter dem Gesetz.
In dem Augenblick, als Jesus aus dem Wasser stieg, öffnete sich der Himmel, und Gottes Stimme verkündete: „Dies ist mein lieber Sohn, an ihm habe ich Wohlgefallen“ (Matthäus 3,17). Der Heilige Geist kam wie eine Taube auf ihn herab und salbte ihn für das bevorstehende Werk. Dieser Moment war ein sichtbares Zeichen dafür, dass Jesus der auserwählte Messias war, vom Vater voll befähigt und bereit, seinen Auftrag zu beginnen. So wie der Jordan einst für den Einzug der Israeliten in das verheißene Land stand, markierte er hier den Eintritt von Gottes Sohn in sein öffentliches Amt, um alle Verheißungen zu erfüllen.
Was können wir lernen, wenn wir mit Jesus an den Ufern des Jordans stehen?
Seine Demut fordert uns heraus. Jesus hatte keine Sünde, aber er entschied sich, unseren Platz einzunehmen, sich unter das Gesetz des heiligen und gerechten Gottes zu stellen. Die Taufe, die uns reinigt, wurde zum Zeichen seiner absoluten Bereitschaft, die Last des Gesetzes für uns zu tragen. Dies ist der Kern der Fastenzeit: Christus nimmt unsere Sünde und Schuld auf sich und geht den Weg, den wir selbst nie gehen könnten.
Der Jordan erinnert uns daran, dass Jesus bereitwillig seine Rolle als Erlöser annahm und sich erniedrigte, um einer von uns zu werden. Während wir unsere Herzen auf den feierlichen Weg zum Kreuz vorbereiten, wollen wir uns an daran erinnern wie tief die Liebe Christi ist, die am Jordan begann und ihn bis nach Golgatha führte. Hier, im Wasser des Jordans, sehen wir einen Erlöser, der jeden notwendigen Schritt tat, um uns zu erlösen.
Gebet:
Himmlischer Vater, wir danken dir, dass du deinen Sohn geschickt hast, um an unserer Stelle zu stehen. Wenn wir uns an die Taufe Jesu im Jordan erinnern, zeige uns weiterhin die Tiefe seiner Demut und seiner Liebe zu uns. Stärke uns in dieser Fastenzeit, in seine Fußstapfen zu treten, auf deine Verheißungen zu vertrauen und uns an der Erlösung zu freuen, die er uns anbietet. In Jesu Namen. Amen.
Verfasserin: Alycia Cameron, WELS Women’s Ministry
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